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| Balance des Lebens |
| Predigt |
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Manche haben es (fast) immer, manche (fast) nie und doch ist es immer da: Z e i t. "Hast du Zeit für mich"? "Ich habe keine Zeit"...viel hängt von solchen Sätzen ab: ob ich einen Besuch annehme oder mache, ein Buch lese, ein Gespräch führe, mir einen freien Tag gönne...
Das Evangelium heute erzählt, wie Maria sich Zeit zum Hören nimmt. Marta hat hingegen viel zu tun. Wir sollten beide Schwestern nicht gegeneinander ausspielen: Marta ermöglicht ihrer Schwester die Zeit zum Gespräch mit Jesus und nimmt die Gastfreundschaft durch das Tun der Bewirtung wahr. Die frühen Theologen der Kirche haben hier zwei Lebensweisen gedeutet, die ihre je eigene Geltung haben: Augustinus sehnte sich nach einem stillen, beschaulichen klösterlichen Leben ohne die tägliche Hektik seiner bischöflichen Dienste. Aber es war nicht möglich, weil ihn die Leitung seiner Ortskirche so in Anspruch nahm. Er deutete Marta als die Art des Lebens in dieser Welt und Maria für das Leb en im Jenseits, welches das "Bessere" sein würde. Im Buch Kohelet wird beides neben einander gestellt: es gibt die Zeit zu arbeiten und die Zeit zu ruhen. Die Regel des hl. Benedikt "ora et labora - bete und arbeite" bringt auch die Balance in das Leben. Eine gute Balance, welche die Einseitigkeit überwindet, wie es uns die Kinder vormachen, die es verstehen, jetzt nur dafür zu sein: für das Spiel, für das Entdecken, fürs Begreifen und Loslassen.
So erkennen wir auch die wesentliche Bedeutung des Sonntages: der Mensch braucht diese Auszeit in ihrer Regelmäßigkeit. Der christliche Mensch nützt diesen Tag zum Hören auf das Evangelium wie damals Maria. Einige müssen zur selben Zeit Martadienste leisten: die Kellnerin, der Lokführer...wir haben ihnen zu danken und einen entsprechenden Ausgleich zu ermöglichen. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf Entspannung, Frieden und die Möglichkeit, im Hören und im Gespräch sein Mensch-sein aufzubauen.
Ich wünsche Ihnen diesen menschlichen Lebensluxus. |
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